Sprengs’ Nähkästchen, die Finanzhaie und die Chancen der SPD

Es ist immer ein Genuss, wenn Menschen, die Einblicke in die obersten Zirkel der Macht haben, aus dem Nähkästchen plaudern. Dabei werden oft unausgesprochene Wahrheiten und nicht bestätigte Annahmen verifiziert. So jetzt wieder geschehen durch Michael Spreng auf seinem Blog Sprengsatz unter dem Titel: “Die Überlebensfrage der Demokratie“.

Von Finanzhaien ohne gesellschaftliches Bewusstsein
Spreng berichtet in seiner damaligen Funktion als Wahlkampfmanager Edmund Stoibers von einem Zusammentreffen mit deutschen Top Wirtschafts- und Finanzmanagern. Dabei kommen zwei Banken- bzw. Versicherungsvertreter sehr schlecht weg, da sie lediglich auf den eignen Profit zielten und gesellschaftliche Verantwortung vollständig vermissen ließen. Nun könnte man sagen, dass es legitim sein sich als Manager auf den Profit zu konzentrieren. Da wir in Deutschland aber keinen Manchesterkapitalismus betreiben, haben Wirtschaftsführer und deren Unternehmen auch immer eine gehörige Portion gesellschaftlicher Verantwortung und Vorbildfunktion jenseits von Redite.

Die Beschreibung Sprengs’ ist ernüchtern und macht wütend. Nach außen immer den Schein wahrend, aber hinter den Kulissen immer so wie Spreng es beschreibt. Das hat nichts mit Vorbildfunktion zu tun, ist charakterschwach und  zu verachten. Schlimm nur, dass diese Art der Manager damit seit Jahrzehnten durchkommen und von der Politik nicht in die Schranken gewiesen werden.

Das window of opportunity für die SPD
Genau dieses schäbige und profitgierige Verhalten öffnet ein langfristiges window of opportunity für die SPD. Die Hartz-Reformen waren notwendig, für die Partei schmerzhaft, zahlen sich aber gerade jetzt in der Krise aus. Dennoch hatte und hat die Partei damit noch stark zu kämpfen. Die Seele der Sozialdemokratie war beschädigt.
Die Finanzkrise in Euroland und die damit auch zusammenhängenden Erkenntnisse von Michael Spreng eröffnen der SPD ein neues langfristiges Politikfeld auf dem sich eigenständige Politik mit einem sozialdemokratischen Geist realisieren lässt. Die Konservativen und liberalen müssten sich um 180 Grad wenden, wenn sie die Finanzwelt und die Wirtschaft derart eng an die Kandarre nehmen würden, wie es notwendig ist. Die Sozialdemokratie kann sich hier wieder ein klassisches Alleinstellungsmerkmal erarbeiten. Das hat auch Sigmar Gabriel erkannt, wie er in einem Interview zu erkennen gibt.

Auch die SPD-Kanzlerkandidatur ist betroffen
Auch wenn ich stets für Steinbrück als Kanzlerkandidaten votiert habe, muss man nun zugestehen, dass Gabriel das viel bessere Gesicht ist, um diese Strategie zu verkörpern. Hieran wird Steinbrücks Kandidatur auch scheitern und Gabriel wird sich als Vorsitzender die Kandidatur greifen, was in dem beschriebenen Kontext Sinn macht.

Ich hoffe und traue es ihm zu, nicht nur die notwendige Politik entsprechend auszugestalten und zu realisieren, sondern auch einmal arroganten Managern die Stirn zu bieten.

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