Norbert Röttgen: verspekuliert und alles verloren – ein politisches Drama!

Das ist einmal ein politischer Absturz in wenigen Tagen, der sagenhaft ist. Vor dem vergangenen Wochenende war Norbert Röttgen Bundesumweltminister, Vorsitzender des größten CDU-Landesverbandes, Spitzenkandidat für die Landtagswahl und heimlicher Kronprinz von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und heute: nichts mehr davon – alles verloren!

Das ist ein bisschen viel auf einmal, alles oder nichts. Selbst in der Politik ist das eine übertriebene Entwicklung. Das Problem ist, dass Röttgen sich diese Suppe selbst eingebrockt hat und sie nun bis zum bitteren Ende auslöffeln musste. Keine Mama am Esstisch hat interveniert und ihn vor dem Verderben gerettet.

Röttgen hat sich den Landesvorsitz in NRW 2010 geholt, in der Absicht, dass ihn dieses Amt für höhere Positionen in Berlin positioniert – in einer Nach-Merkel-Ära. Das die rot-grüne Minderheitsregierung scheiterte und es zu vorgezogenen Neuwahlen kam, war nicht nach seinem Kalkül. Die Wahl kam zu früh. Röttgen wollte nicht nach Düsseldorf, er wollte in Berlin bleiben. Der politische Automatismus zwang ihn zur Spitzenkandidatur. Spätestens hier hätte er intervenieren müssen. Einen anderen Kandidaten auf den Schild heben und dann mit Volldampf Wahlkampf als “Berliner” machen, dass wäre der Ansatz gewesen.

Mit der Übernahme der Spitzenkandidatur war er für Düsseldorf versprochen, alleine Röttgen hat dies nicht formuliert. Das war der zweite folgenschwere Fehler. Tragisch wird es jetzt, weil Röttgen nicht nur alles in NRW verloren hat, sondern ihn die Kanzlerin auch noch in Berlin vor die Tür gesetzt hat. Das hatte er so nicht geplant. Nun steht er mit heruntergelassenen Hosen da und hat keine politische Zukunft.

Man könnte meinen, dass sei ein wenig viel Blutzoll für eine Person alleine. Röttgen hat alleine aus machtpolitischen Überlegungen gehandelt und agiert, daher muss er diese Schmach nun ertragen. Politik ist nicht nur Karriere, sondern es geht um gesellschaftliche Gestaltung. Wer das außer Acht lässt und sich nur taktisch verhält, muss auch eine solches Tal der Tränen über sich ergehen lassen.

Ein mieser Beigeschmack bleibt. Die Kanzlerin hat eine weitere politische Leiche im Keller. Statt ein wenig Milde walten zu lassen, lässt sie Röttgen eiskalt über die Klinge springen – aus politischem Eigeninteresse. Das kann man beklagen, in wenigen Tagen wird es aber keinen mehr interessieren. Es wäre denkbar gewesen, Röttgen im Amt zu belassen, das hätte allerdings mehr Rückgrat der Kanzlerin erfordert, Rückgrat in schweren Zeiten, das sie nicht besitzt.

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