Griechen brauchen auch Herz und nicht nur Euros

Vor kurzem forderten herausragende Persönlichkeiten in dem Manifest „Wir sind Europa“ eine Neugründung der Europäischen Union von unten. Das probate Mittel, so Autoren und Unterzeichner, sei eine Freiwilliges Europäisches Jahr für alle Altersstufen und Gesellschaftsgruppen, kurz für alle. Der Grundsatz ist richtig und das Jahr könnte ein gutes Tool für eine langfristige Bindung an Europa sein. Alleine ein solches Jahr nur für sich wird nicht reichen. Einen deutlich besseren Gesamtansatz habe ich bereits beschrieben.

Dumpfe EU-Austrittsrhetorik
Das alles ist jedoch relativ belanglos, wenn man die europäischen Gazetten in den letzten Tagen so aufschlägt. Sicherlich ist es nicht erfreulich, dass die Griechen eine schwierige Regierungsbildung durchmachen. Auch die kategorische Ablehnung des Sparkurses durch der griechischen Linken ist nicht hilfreich. Doch die völlig absurden Forderungen nach einem Austritt der Griechen aus der EU oder auch nur aus der Eurozone, würden das politische Projekt Europäische Union stark gefährden, wenn nicht zerstören.

Sicherlich müssen die Griechen ihren Beitrag leisten. Das steht außer Frage. Doch was leisten die übrigen europäischen Staats- und Regierungschefs bisher außer Geld? Das qualifiziert nicht die finanzielle Leistung der Mitgliedsstaaten ab, die sich für die Griechen mit vielen, vielen Euros einsetzen. Aber vielleicht braucht es mehr als Geld.

Fehlende politische Signale mit Herz
Eine politische Symbolik, ein aufrüttelndes europäisches Signal fehlt. Es wird in den letzten Monaten kühl und technokratisch gehandelt und Politik getrieben. Ich kann mich an keine mitreißende solidarische Europarede eines führenden Staats- oder Regierungschefs erinnern. Gab es einen persönlichen Besuch aus Deutschland oder Frankreich in Athen mit einem rhetorischen Befreiungsschlag?

Die Griechen müssen sprichwörtlich an die Hand genommen werden. Wir müssen nicht nur die Euros auf die Akropolis tragen, sondern kämpferische Eurosolidarität über das Wort transportieren. Es fehlt an symbolischer pro-europäischer Führung und Sprache. Das Europa der Gründerväter und das Europa der Kriegsgeneration ist tot. Und damit auch eine innige europäische Sprache, die von Herzen kommt. Europa bleibt für die aktuell Regierenden ein Projekt, wohlmöglich auch ein politisches, aber bestimmt keine Herzensangelegenheit. Europa als ein Instrument, Politik im 21. Jahrhundert zu betreiben hat nicht mehr die Qualität wie ein Europa, das alternativlos aus der Erfahrung der Geschichte gebaut wird.

Es mangelt mal wieder an deutlicher europäischer Führung mit Feuer und Flamme, die auch so artikuliert wird. Daran müssen wir uns wohlmöglich gewöhnen, gut für Europa wird es nicht sein.

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