Christian Füller (@ciffi): Bildung, Demokratie und die Kommunikation auf Twitter!

Christian Füller ist für mich ein Unbekannter. Ich kenne ihn nur über Twitter. Und auch das ist übertrieben, wir hatten keine Diskussionen und keinen Kontakt. In ganz seltenen Fälle bin ich über seine Print-Geschichten, etwa in der taz, gestolpert. Ich habe ihn nie live getroffen. Mein Eindruck war bisher, dass @ciffi ein Typ ist, der auch gerne provoziert. Dies tut er aus meiner Perspektive aber nicht nur um des Provozieren Willens, sondern er hat auch immer einen moralischen Anspruch in seinen Äußerungen. Er vermittelt den Anschein, dass er mit der heutigen Bildung, sein Leib- und Magenthema, in keinem Fall d’accord ist. Er kritisiert das jetzige System scharf und streut Salz in die Wunde. So weit, so gut.

Nun steht das erste Educamp (#ecco12) in diesem Jahr in Köln kurz vor der Tür und der Kollege Füller ließ sich zu folgendem Tweet hinreißen:


Dem folgte ein kurze Diskussion in der auch @_Rya_ und @anjalorenz aktiv waren. Das ganze endete in einem Tweet von Guido Brombach (@gibro).

Dieser letzte Kommentar fand meine Zustimmung. Außerdem bin ich der Meinung, dass @ciffi auch in seiner ersten Kernaussage polemisiert hat. Das kann er tun, aber ihr kennt das, wie man in den Wald reinruft, so kommt es wieder heraus. Es geschah aber etwas ganz anderes. @ciffi reagierte so:

Für einen Journalisten schon eine beachtliche Reaktion. Kritikfähigkeit sieht etwas anders aus. Zumal Füller dem Gegenüber das Recht abspricht, eine positive Zustimmung zu einer dritten Meinung zu geben. Daher meine Reaktion:

Bevor es zum weiteren Schauplatz geht: @ciffi verlangte eine Erklärung, weil er den Zusammenhang nicht verstanden hatte, den ich herstellte.

Da er mir das Recht absprach, eine Meinung positiv zu bewerten, habe ich ihn plakativ in der „Demokratie willkommen geheißen“. Also, Herr Füller, wer etwas, wann, wo und in welcher Form positiv oder negativ bewertet, ist eine ganz individuell-persönliche Entscheidung. Und wenn das in sozialen Netzwerken und zudem auf schnellen Plattformen wie Twitter passiert, dann ist das absolut legitim. Journalisten sind nicht die Instanz, die entscheidet, wie man seine Meinung zu äußern (auch wenn es nur eine Zustimmung ist) oder wie man Twitter zu nutzen hat. Ihre moralisch-normativen Überhöhungen sollten Sie dringend überdenken. Das der Ton dabei eine gewisses Besserwissertum transportiert, ist nicht schlimm, disqualifiziert nur die eigene Person.

Den Zusammenhang zwischen Demokratie und freier Meinungsäußerung hatte der Journalist also nicht hinbekommen. Na ja! Seine Grundargumentation gegenüber meiner positiven Zustimmung war ja diese:

Dazu sei nur gesagt, dass jede Zeit, die sich genommen wird, um eine inhaltliche Diskussion zu führen und zu begleiten, genau die richtige Zeit ist. Es ist völlig unerheblich, wo dies passiert. Die Demokratie und der gesellschaftliche Diskurs lebt von Auseinandersetzung, Diskussion und Debatte. Es wäre schön, wenn sich viel mehr Menschen daran beteiligen würden, egal in welcher Form und wie knapp formuliert. Herr Füller sollte sich dessen bewusst sein. Vielmehr noch sollte ihm als bildungspolitisch interessiertem Journalisten daran gelegen sein, dass sich viele Menschen einmischen. Vor diesem Hintergrund zu behaupten, ein Tool wie Twitter ließe für diesen Diskurs keinen Zeit, ist nicht nur abwegig, sondern hochgradig kontraproduktiv. Kollege Füller wird aus seiner alltäglichen Perspektive aus dem Bauch heraus geschrieben haben. Aber genau dies scheint mir doch sehr entlarvend zu sein. Das hat genau den Hauch eines Ulrich Jörges, der von Show zu Show tingelt und an jedem und allem etwas zu bemängeln und zu kritisieren hat. Das geschieht meistens mit der neunmalklugen Moralkeule. Geht es Füller tatsächlich um den Inhalt oder ist er eine self fulfilling prophecy? Vielleicht gibt er Antwort.

Das ganze endete schließlich mit dieser Feststellung von Füller:

Was will uns der Autor sagen? Außer Guido alle doof? Klingt ein bisschen danach. Das @gibro auf seinem Feld ein echter Experte ist, wird wohl kaum jemand bestreiten. Nur was hat das in dieser Diskussion zu bedeuten? Potentielle niederrangige Personen dürfen sich nicht zu Wort melden, dürfen sich nicht einmischen, weil sie ohnehin keine Ahnung haben. Wenn wir Bildung nur mit Experten konstruieren und alle anderen ausschließen, dann ist Füller nicht im entferntesten so innovativ und progressiv, wie er immer tut. Das ist geradezu ein Armutszeugnis derart zu argumentieren. „Du weißt nichts, also halt die Schnauze“, gratuliere @ciffi, so kommen wir alle einen Schritt voran.

Schlussendlich geht es hier um einen kleinen Dialog auf Twitter, über wenige Tweets hinweg. Vielleicht belanglos und schon wieder vorbei, aufgrund der Schnelllebigkeit. Wenn sich ein Christian Füller aber derart plump äußert, bei allen Forderungen, die er immer so an seine Umwelt stellt, dann muss das schon erwähnt werden.

Sollten wir uns eines Tages persönlich treffen, der erste Wein geht auf Dich, @ciffi, und dann können wir streiten!

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